2013: Die Late Night Show - Onnos Mops glotzt im Hüttenwerk Michelstadt

Kennen Sie das?
Ihr Mops liegt vorm Fernseher und glotzt!
Nein?
Das macht doch nichts!

Die Spiellust präsentiert in ihrem neuen Stück eine kleine Auswahl dessen, was einen Mops so zum Glotzen bringt - von „Wer wird Millionär“, über die „Tagesschau“ bis hin zum Fußball...


Immer dabei und mitten drin: Onno, ein im Odenwald gestrandeter Fischkopp und
seine Frau Hertha, eine waschechte Odenwälderin, die ihr Herz um die Hüfte trägt.

Was bietet sich da mehr an, als eine Fernsehshow? Onno und Hertha werden mit einem kompetenten Team aus Kameraleuten, Schminktussis und Kabelträgern, einer Fußballmannschaft und den feschesten Moderatorinnen der aktuellen Nachrichten, dem Publikum aus dem Odenwald die große weite Welt nahebringen. Hoffentlich. Chips & Schokolade auf den Schoß, Bier an den Hals und nix wie hin und gugge!

 

Michael Lang im Odenwälder Echo am 04. Oktober 2013: 

"Die treibenden Tonfolgen des Live-Tickers zwingen das Publikum in eine Zerreißprobe der Spannung. Und dann stürzt er auf sie ein: der galoppierende Ablauf des phänomenalen Fernsehabends bei ODW 24, dem ultimativen TV-Sender der Region. So zieht der Verein Spiellust sämtliche Register der Komik, um Klamauk, Klamotte und Kritik an der bunten Welt der Medienmacher unter einen Hut zu bringen. Deutlich spürt man in dieser Late-Night-Show die flotte Handschrift der sich auf kreativem Heimaturlaub befindlichen und mittlerweile in Berlin lebenden Theaterwissenschaftlerin Esther Steinbrecher, die sich mit Veronique Hofmann um die szenische Textbearbeitung gekümmert hat.

Herausgekommen sind 65 in grandioser Kurzweil getaktete Minuten, die am Mittwochabend im Hüttenwerk bestens ihre Premiere bestanden haben. Die Unterhaltungsshow „Wer wird Millionär?“, das unvermeidliche Kochduell, die Nachrichten von ODW 24, der Fußball und der späte Sexschocker: Alles wird mittels eines humorigen Kaleidoskops durch den Kakao gezogen. Immer dabei: der Mops von Fischkopp Onno (Roger Tietz) und seiner Odenwälder Ehefrau Hertha, authentisch in Szene gesetzt von Silke Örtlin.

 

Der Mops glotzt vom Sofa auf den Bildschirm: stoisch, von Faszination in Trance versetzt, einem Stillleben gleich. Da lässt Ernst Jandl grüßen, jener Großmeister des literarischen Dadaismus, der mit seinen Lautgedichten fest gezimmerte Kategorien der Interpretation ad absurdum führte und damit neue Spielräume schuf. Dies geschieht auch in diesem liebevoll verqueren Stück.

Nichts kommt, wie man glaubt, Gesetzmäßigkeiten lassen ihre Hüllen fallen, avantgardistische Landeanflüge setzen punktgenau auf der Rollbahn der Aktionen auf. Am Schluss der turbulenten Drehs rezitiert Onno Jandls Text „Ottos Mops“. Dann geht die Glotzkiste aus. Bestens kommen jene auf eine große Leinwand projizierten Interviewszenen zum Lokalkolorit an. Da wird die Feindschaft zwischen Erbach und Michelstadt glossiert und auch das Thema Umgehungsstraße kommt aufs Tapet.

Authentisch mimt in der Einspielung Michelstadts Bürgermeister Stephan Kelbert das durch die wirre Fragestellung der Moderatorinnen Luise Annabell Zörgiebel-Dingeldein und Ruth Knack (Theresa Nussbauer-Tietz, Ines Schott) vollkommen überforderte Stadtoberhaupt. Ulf Unkel (John Christian) brilliert als moderater Ersatz für Moderator Günther Jauch, der im Zug der Vias stecken geblieben sei und triezt dabei die in heilloser Nervosität sprachliche Diarrhö absondernde Kandidatin Elisabeth Bach (Salome Bader).

 

Gute Gags bestürmen den Theatergast in der improvisierten Nachrichtensendung, eine hübsche Variante von Woody Allens „Was sie schon immer über Sex wissen wollten“ lässt Kabelträger Kurt (Reinhard Köthe) auf den ultimativen Orgasmus hoffen. Das kapriziöse Kochduell und auch das flotte Fußballspiel setzen die Akteure als choreografisch bearbeitete Tanzeinlagen um. Ob dies besonders geschickt ist, muss das Publikum entscheiden. Ausgefeilte Dialoge am Herd und spaßige Interaktionen mit dem Ball hätten, bei aller Turbulenz der Taten, als probates Stilmittel womöglich mehr Glaubwürdigkeit erzeugt. Eine Augenweide findet sich im Puderluder (Nathalie Mantler), welche die bürgermeisterliche Glatze vom hinderlichen Spiegeln befreit und in engen Hotpants ihre wohlfeile Rückseite präsentiert. Großartig karikiert „Onnos Mops glotzt“ die Klischees, prescht zügig, aber niemals zu schnell durchs Programm und offenbart: Keinesfalls der schwarze Hund auf Herthas Schoß ist der alleinige Mops im spritzigen Spiel. Die eigentlichen Möpse sind die Gäste, die gebannt gucken und glotzen. Die Diagnose der Premiere: ein frisches Stück um Dünkel und Fernsehlügen, meisterlich aufgepeppt mit der unbändigen Spiellust der Darsteller der Spiellust. Ein Theater, das in seiner skurrilen Darbietungsweise ein wenig an den TV-Klassiker „Klimbim“ erinnert. Bravo!"

 

02.-04. Oktober 2013 

10.-12. Oktober 2013 

20.00 Uhr (Einlass 19.30 Uhr) 

 

Regie & Dramaturgie: Roger Tietz, Silke Örtlin, Matthias Trumpfheller

Tanz: Klaus Ripper

Musik & Kostüm: Diana Feldkeller

Szenische Textbearbeitung: Veronique Hofmann, Esther Steinbrecher

Bildtechnik: Heiko Voigt

Idee: Roger Tietz & alle anderen 

Media: Trailer zu "Onnos Mops glotzt!"

Media: Bilder aus den Proben

Spielort: Hüttenwerk Michelstadt

Letze Aktualisierung: 

11. Juli 2017

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