Keine Panik! - Sommertheater 2014 in Michelstadt

Freilichtveranstaltung im Innenhof des Stadthaus Michelstadt

(c) Sibylle Schneider
(c) Sibylle Schneider

Ein Vogonengedicht in 42 Bildern

Frei nach Douglas Adams (und einigen anderen)

 

Der Weltraum ist groß, verdammt groß. Du kannst dir einfach nicht vorstellen, wie groß, gigantisch, wahnsinnig riesenhaft der Weltraum ist. Du glaubst vielleicht, die Straße hinunter bis zur Drogerie ist es eine ganz schöne Ecke, aber das ist einfach ein Klacks, verglichen mit dem Weltraum...Weltraum...unendliche Weiten... 

 

Dies sind die Abenteuer von Arthur Dent, dem einzigen Überlebenden einer unwichtigen Bioform, die einen winzigen blaugrünen Planeten am Rande der Milchstraße bewohnt, bis dieser an einem dummen Donnerstag einer Hyperraum-Expressroute weichen muss. Allein seinem besten Freund Ford Prefect vom Planeten Beteigeuze 5 ist es zu verdanken, dass Arthur in letzter Sekunde dem intergalaktischen Abrisskommando entkommt und sich auf eine bemerkenswerte Abenteuerreise per Anhalter durch die Galaxis begibt. Es ist eine Reise voller Gefahren und - dank des richtigen Reiseführers - auch voller überraschender Erkenntnisse über das Leben, das Universum und den ganzen Rest: Ein Handtuch ist so ungefähr das Nützlichste, was der interstellare Anhalter besitzen kann. Der beste Drink, den es gibt, ist der Pangalaktische Donnergurgler. Vogonische Dichtkunst ist die drittschlechteste im Universum. Der Babelfisch ist der lebende Beweis dafür, dass Gott nicht existiert. Und menschliche Wesen sind nicht intelligenter als Delphine, aber ungeheuer anpassungsfähig. Eine Eigenschaft, die man auf dem Weg zum Restaurant am Rande des Universums nur zu gut gebrauchen kann.

 

Also KEINE PANIK, den Babelfisch ins Ohr gestopft, das Handtuch nicht vergessen, den Sub-Etha-Winker raus und los geht's - per Anhalter durch die Galaxis!

 

Michael Lang schreibt im Odenwälder Echo über unsere Produktion (25.07.2014): 

"Eine Warnung vorweg: Organisationsfanatiker, Gliederungsfetischisten, Pedanten, Erbsenzähler, Haarspalter und Federfuchser, bleibt zu Hause! Meidet dieses Stück, es wirft euch aus euren gewohnten Bahnen. Bürokraten, Kleingeister, Paragrafenreiter, Formalisten, Dippelschisser und Biedermänner: Tut euch das nicht an, denn die Antwort auf den Sinn des Lebens ist 42.

 

Deep Thought, der Supercomputer hat es so berechnet. In Folge dieser Operation wird die Erde abgerissen, formt Gott aus grauer Knete kleine Männchen, und Arthur Dent bittet um einen Tee mit Kuhmilch, für dessen Zusammensetzung das zuständige Elektronengehirn Millionen Jahre braucht. Abgedreht? Total! Wirr? Immens! Spaßig? Absolut!

 

Mit einem riesigen Aufgebot an Rollen haben unter Federführung der aus dem Odenwald stammenden Regisseurin Esther Steinbrecher die Theatermacher Dominik Eichhorn und Matthias Trumpfheller eine Adaption des Klassikers „Per Anhalter durch die Galaxis“ des Briten Douglas Adams mit Premiere am Donnerstag auf die Theaterbühne beim Michelstädter Stadthaus gebracht – und mit dem Verein Spiellust diesen in sich schon surrealen Stoff für die Darsteller adaptiert. Geht nicht? Geht doch. Man muss nur der Fantasie freien Lauf lassen. Und dass Steinbrecher diese nicht an der kurzen Leine führt, wissen alle Fans dieser Könnerin der Darstellenden Kunst.

 

Um was geht es im „Keine Panik“ betitelten Stück? Der dem täglichen Schlendrian verfallene Arthur Dent (Jonas Olt) entkommt gemeinsam mit Kumpel Ford Prefect (Felix Hauke) der Zerstörung der Erde durch die extraterrestrischen Vogonen. Doch Prefect ist lediglich zeitweiliger Erdbesucher, der zu Recherchezwecken für einen galaktischen Reiseführer hier verweilt und aufgrund des Wütens eines Abrisskommandos auf dem blauen Planeten hängen geblieben ist. Bei Auftauchen der Vogonen, die eine Hyperraum-Expressroute errichten wollen, schmuggeln sich die beiden auf deren Raumschiff. Die Eigner schmeißen sie raus, sie werden vom Shuttle „Herz aus Gold“ gerettet und treffen auf Zaphod Beeblebrox (Tade Crößmann), den Präsidenten der Galaxis und auf Tricia McMillan (Christin Voigt), welche die Raumfähre aber nur geklaut haben.

 

Überzeugend gibt hier Martin Wissmüller den stets depressiven paranoiden Androiden Marvin. Sie suchen und finden nun den geheimnisvollen Planeten Magrathea. Dort erfahren sie, dass die Erde nur ein riesiger Computer war, der nach dem Sinn des Universums fragte. Intelligente Lebewesen in Gestalt weißer Mäuse wollen Arthurs Gehirn kaufen, da sie es für eine Teilmatrix des Rechners halten, um so die Frage aller Fragen beantworten zu können. Arthur, Ford, Tricia und Zaphod gelingt die Flucht.

 

Was soll das? Ein anscheinend wahlloser Wust wirrer Wesen kaschiert philosophische Ideen von der Gottesablehnung bis hin zur Daseinsfrage. Schwarzhumoriger Protest stellt sich gegen die Allmachtsgläubigkeit des Menschen, proklamiert die Negierung eines alles bestimmenden Gottes und ruft radikal zum Querdenken auf. Zudem wird ein Appell an verschüttete Relikte der Fantasie freigesetzt, eine Warnung vor rigorosen Endzeitpropheten gegeben, turbulente Tollheit proklamiert sowie eine süffisante Satire auf das Leben gefeiert. Grandioses Theater mit Tendenz zum totalen Abdrehen samt beachtlichen textlichen und darstellerischen Leistungen.

 

Zum Brüllen komische Bürovogonen geben Anette Gorke und Roger Tietz. Überzeugend in sagenhafter Selbstsicherheit mimt Tade Crößmann den imperialistischen Zaphod Beeblebrox. Durchaus erwähnenswert sind die sphärischen und rhythmischen Klanggebilde, die Klaus Seifert phänomenal bewerkstelligt. Lob für den aufwendigen Bühnenbau mit fantastischer Beamer-Animation, eine Verbeugung vor Johanna Hebel, die eine schier unglaubliche Kostümvielfalt gezaubert hat.

 

Übrigens: Um das Werk kapieren zu können, bekommen die Zuschauer im Ohr zu befestigende Babelfische ausgehändigt. Trotzdem gibt es keine Verständnisgarantie. Sollten Zuschauer während des Stückes einen partiellen Realitätsverlust erleiden, sei ihnen dringend die Konsultation eines Therapeuten angeraten, um einer chronischen Ausprägung vorzubeugen. Denn „Keine Panik“ hat lang anhaltende Nachwirkung.

 

Und die schlechte Dichtkunst der Vogonen? Die muss man schlicht akzeptieren: „Oh zerfrettelter Grunzwanzling! Dein Harngedränge ist für mich wie Schnatterfleck auf Bienenstich“, heißt es da. „Keine Panik“ – das ist Parabel und Posse. Ein realer Irrsinn, vor dem man sich nicht verschließen sollte."

 

 

Aufführungszeitraum:

24.07.2014 - 09.08.2014


Es spielten: Anette Gorke, Carmen Feldkeller, Christin Rößler, Christin Voigt, Danah Krämer, Daniel Löb, Emilie Aucello, Felix Hauke, Gaby Biel, Georg Biel, Grit Metzler, Ines Schott, Jacob Hartmann, Jonas Olt, Kathrin Josche, Klaus Seifert, Konstantin Erb, Lena-Marie Damm, Marlies Voigt, Martin Wissmüller, Nora Külper, Paul Karnes, Reinhard Köthe, Roger Tietz, Salome Bader, Silke Oertlin, Tade Crößmann, Theresa Nussbauer-Tietz, Tilman Stallknecht und Vivien Friedrich!

 

Buch: Esther Steinbrecher 

Regie: Esther Steinbrecher, Matthias Trumpfheller & Dominik Eichhorn 

Assistenz: Diana Feldkeller

 

Produktion & Bühne: Roger Tietz 

Musik: Klaus Seifert 

Kostüm: Johanna Hebel

Bildtechnik: Heiko Voigt 

Licht: Hüttenwerk Michelstadt, Nico Tischler 

Ton: Wilhelm Kächler 

Spielort: Stadthaus Michelstadt

Letze Aktualisierung: 

09. April 2017

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