Ab 26. Februar 2015 im Stadthaus Michelstadt

Der gute Mensch von Sezuan von Bertolt Brecht 

„O du schwacher

Gut gesinnter, aber schwacher Mensch! 

Wo da Not ist, denkt er, gibt es keine Güte!

Wo Gefahr ist, denkt er, gibt es keine Tapferkeit!

O Schwäche, die an nichts ein gutes Haar lässt!

O schnelles Urteil!

O leichtfertige Verzweiflung!“

(Die Götter in "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht)

Die junge Shen Te prostituiert sich Abend für Abend. Sie ist ein guter, warmherziger Mensch - verarmt und unbeachtet. Doch als ihr der Bettler Wang offeriert, dass die Götter in ihrer Stadt Einzug halten, soll sich alles ändern.

 

Sie kommt zu ungeahntem Reichtum, investiert in den leerstehenden Kiosk an der Ecke und lernt ihre Umwelt nun richtig kennen: Die Menschen brauchen plötzlich Hilfe von Shen Te. Hier eine Schachtel Kippen, da eine Flasche Club Mate, dort eine Heirat. Scheinheiliges Ausnutzen geht einher mit purer Angst vor Existenzlosigkeit. Kann sich Shen Te diesem Kreislauf entgegenstellen? 

 

Eine Suche von Mann und Frau nach einer Akzeptanz ihrer inneren Werte: Die Inszenierung kreist um die Frage der identitätsstiftenden Wirkung von Brechts Parabel - eine sich offenbarende Wirklichkeit, die Shen Te in die Enge treibt und weit darüber hinaus...

Plakat "Der gute Mensch von Sezuan"
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Flyer "Der gute Mensch von Sezuan"
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Programmheft "Der gute Mensch von Sezuan"
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Aufführungen

Premieren-Veranstaltung 

Weitere Aufführungen 

Do, 26. Februar 2015

Fr, 27. Februar 2015 

Sa, 28. Februar 2015 

 

Fr, 06. März 2015 

Sa, 07. März 2015 


Einlass jeweils um 19.30 Uhr 

Veranstaltungbeginn um 20.00 Uhr 

Veranstaltungsort ist das Stadthaus Michelstadt

Pressestimmen

Keine leichte Kost, aber eine nahrhafte

Wer sich an „Der gute Mensch von Sezuan“, fürs Michelstädter Stadthaus einfallsreich inszeniert von Regisseur Dominik Eichhorn und eindrucksvoll umgesetzt vom Verein Spiellust, ergötzen möchte, der sollte den streitbaren Verfasser kennen und dessen Idee vom epischen Theater zu interpretieren wissen.

 

MICHELSTADT. Darf man Brecht kritisieren, einen renommierter Schriftsteller, Dichter und Theaterautor? Natürlich. Positiv oder negativ? Da kommt es wie bei vielem im Leben auf die Sichtweise an. Sagen wir so: Einfach nur neutral hingenommen, bleibt die grandiose Umsetzung von „Der gute Mensch von Sezuan“ durch die Michelstädter Spiellust ein intellektueller Happen für dialektisch geschulte Personen, für im Abstrahieren geübte Menschen, für Germanisten oder Schüler von Leistungskursen im Fach Deutsch. Zudem ist eine Vorab-Lektüre des Textes nicht verkehrt. 

 

Also bietet diese Parabel auf die fragliche Wandelbarkeit des Menschen keine leichte Kost, verlangt sie doch äußerste Aufmerksamkeit, um im Detail verstanden zu werden. Wird das Lehrstück sonst zum Leerstück? Nein. Allein die zum Teil recht abgedrehten Aktionen auf der Bühne sind ein Augenschmaus. Trockeneisnebel, Stroboskoplicht, Laubbläser, Megafone und eimerweise Blumenerde kommen zum Einsatz. Die Quirligkeit der Geschehnisse gefällt. 

 

Um was geht es? Drei Götter wollen die Welt auf das Vorhandensein guter Menschen und damit auf ihren Fortbestand überprüfen. Aus Mangel an Unterkünften nehmen sie Quartier bei der Prostituierten Shen Te und geben ihr Geld, damit sie durch den Kauf eines Tabakladens dem Elend entfliehen kann. Durch ihre Freigiebigkeit kommt sie mit ausstehenden Zahlungen in Verzug. Deshalb erfindet sie den Vetter Shui Ta, der die Geschäfte führt und dort Härte zeigt, wo Shen Te ihrem Herzen folgen würde. Diese Doppelrolle (Sascha Noack) beschwört Konflikte herauf. Shen Te verliebt sich in den Piloten Yang Sun (Seda Keskinkilic), der keine Anstellung als Flieger erhält und sich deshalb umbringen will. Shen Te will helfen, doch er hintergeht sie. 

Also muss das kontrastierende Alter Ego Shui Ta auf den Plan. Shen Te wird von Yang Sun schwanger, worauf sie als Shui Ta ausrastet, Shen Tes Geldgeschenke nutzt und zum Tabakkönig als ausbeutenden Kapitalisten mutiert, der die Arbeiter gnadenlos ausnutzt. Der Betrug fliegt auf, und die Götter sitzen zu Gericht. Muss ein gutes Ende folgen? Da sind die Zuschauer als moralische Institution gefragt. Bertolt Brecht lässt die Antwort nämlich offen. Gerade weil der Mensch zum Guten neigen sollte, ihm dies aber durch den Zwang der Knechtschaft in den politischen Systemen verwehrt wird. Das Wechselspiel zwischen gut und böse thematisiert natürlich auch den Mann-Frau-Konflikt im alltäglichen Leben. Ob in maskuliner Feinrippunterhose oder im femininen Hochzeitskleid, Sascha Noack umspielt den Gegenstand mit virtuoser Einfühlung, wobei der bisweilen starre Blick der stechenden Augen wahrhaftige Beklemmungen provozieren kann.

 

Es spielen weiter Heinz Neumann den Wasserverkäufer Wang, die Götter, einen Polizisten und einen Kellner, Seda Keskinkilic Yang Sun, einen Arbeitslosen, Mi Tzü und die Hausbesitzerin. Simone Schubert verkörpert Shin, den Schreiner Lin To und die Junge, und Reinhard Köthe besetzt den Barbier Shu Fu, den Mann, den Alten und einen weiteren Arbeitslosen. 

 

Wie agieren die Figuren? Was auffällt im Drama, ist eine beinahe bedrückende Verschmelzung mit den Charakteren, die über knappe drei Stunden währende Textsicherheit in bester Akzentuierung und Intensität des Spiels. Handlungsfremde Einsprengsel sind Gestaltungsmittel. Der Kick sind die Kontraste, die rational aber nicht immer einfach zu fassen sind. Was bleibt? Die beachtliche Inszenierung eines komplexen Dramas, das wegen der geglückten Umsetzung durchaus seine Anhänger finden wird, aufgrund seiner mannigfaltigen Thematiken, Absichten, eigenwilligen Konzeption, besonderen Stilmitteln und Ansprüche an die Ratio des Publikums, aber auch deutliche Grenzen in der Nachvollziehbarkeit aufzeigt. 

 

Am Ende wird der Zuschauer ein Suchender bleiben, aber aufgeladen mit reichlich Denkpotenzial.

(Odenwälder Echo, Michael Lang, 27.2.2015)

Produktionsstab

Regie 

Produktionsleitung

Bühnenbau

Technische Leitung

Konzeption Kostüm 

Schneiderei Kostüm

Dramaturgische Beratung

Wilhelm Kächler

Elisabeth Scholl-Müller

Matthias Trumpfheller, Milena Wolf, Eleonora Venado 


Darsteller_innen

Shen Te / Shui Ta

Wang, der Wasserverkäufer 

Die drei Götter

Der Polizist 

Der Kellner

Yang Sun, ein stellungsloser Flieger

Der Arbeitslose

Die Hausbesitzerin Mi Tzü

Die Frau

Die Alte

Frau Yang

Die Hausbesitzerin Mi Tzü

Die Witwe Shin

Der Schreiner Lin To

Die Junge

Der Mann

Der Barbier Shu Fu

Der Alte

Der Arbeitslose

Sascha Noack 

Heinz Neumann 

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Seda Keskinkilic

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Marlies Voigt

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Simone Schubert

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Reinhard Köthe

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Letze Aktualisierung: 

11. Juli 2017

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